Seit wann gibt es Tapeten? Wer hat die Tapete erfunden und wie wurde die erste ihrer Art hergestellt? Wie hat sich die historische Tapete im Laufe der Zeit verändert und welche Geschichte kann sie erzählen? In diesem Beitrag verraten wir alles über die Entstehung und Entwicklung unserer liebsten Wandbekleidung.

Der Anfang der Tapete

Die Tapete kann auf eine beachtliche Geschichte zurückblicken, denn Wanddekoration war schon immer ein Thema, mit dem sich die Menschen beschäftigten. In sämtlichen Epochen und Kulturen spielte die Wandgestaltung eine Rolle. Diese entwickelte sich historisch von der Höhlenmalerei über die Ausschmückung mit Wandteppichen hin zur Wandbekleidung mit Tapeten, wie wir sie heute kennen.

Die Geschichte der Tapete, deren Bezeichnung aus dem Lateinischen übersetzt Decke oder Teppich bedeutet, begann im Orient. Im 11. Jahrhundert wurden dort erstmals Ledertapeten, später auch Pergamenttapeten genutzt, um die Wände zu dekorieren. Diese begannen langsam die großen, schweren Wandteppiche zu ersetzen, die von Monarchen und anderen Adligen bisher zur Wandgestaltung genutzt wurden.

Die ersten Stoff- & Papiertapeten

Die ersten Stofftapeten wurden im 14. Jahrhundert in Italien verwendet. Handgemalte chinesische Papiertapeten (Chinesische Tapeten) fanden im 16. Jahrhundert ihren Weg nach Europa, wo sie großen Anklang fanden. Dieser Erfolg stellt einen Meilenstein in der Geschichte der Tapeten dar, denn daraufhin wurde in Frankreich und England begonnen, Papiertapeten selbst herzustellen. Die ersten Exemplare wurden von Papiertapetenmachern in mühevoller Handarbeit gefertigt, da sowohl die Papierherstellung als auch der Tapetendruck noch nicht industriell erfolgten.

Erst das Stoffdruckverfahren, welches Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgreich von Stoff auf Papier übertragen wurde, ebnete den Weg für eine mehr oder weniger serienmäßige Fertigung. 1789 wurde daraufhin in Kassel die erste größere Tapetendruckerei Deutschlands gegründet. Da sich das Papier aber noch nicht in langen Bahnen herstellen ließ, wollte das gleichmäßige Bedrucken noch nicht so recht gelingen. Tapetenfabrikant Jean Zuber gelang es später, die Papierbahnen mit Modeln aus Holz gleichmäßig zu bedrucken. Zusammengeleimte, handgeschöpfte Papierbahnen ermöglichten erstmals in der Geschichte der Tapete ein raumhohes Tapezieren. Die Dessins wurden immer imposanter sowie anspruchsvoller und erreichten mit Panoramatapeten ihren bisherigen Höhepunkt.

Tapetenherstellung in vollem Gange

Ein weiterer Meilenstein in der Historie der Tapeten stellt die Erfindung der ersten Langsieb-Papiermaschine durch Nicholas-Louis Robert im Jahr 1799 dar, da sie die maschinelle und somit massentaugliche Papierherstellung ermöglichte. Durch die stetige Weiterentwicklung der Druckmaschinen erhielt die Massenproduktion Mitte des 19. Jahrhunderts Einzug in der Geschichte der Tapete.

Als die Tapetenherstellung ein Zweig der Buntpapierindustrie wurde, wurde die Papiertapete als Wandbekleidung endlich erschwinglich für die breite Bevölkerung. Dennoch wurde sie bis in die Nachkriegszeit noch als Luxusprodukt angesehen und setzte sich erst durch, als das Wirtschaftswunder in Deutschland eintrat. Bis dahin verschönerte der Großteil der deutschen Bevölkerung die eigenen vier Wände noch mit Anstrichen in unterschiedlichsten Farben.

Die Geschichte der Tapeten ist noch nicht zu Ende

Heute sind es die Tapeten, die in verschiedensten Dessins, Materialien und Kombinationen als Wandbekleidung für Wohlfühlatmosphäre sorgen. Ihre Geschichte bzw. der Stil der Wanddekoration einzelner Epochen spiegelt sich heute im breiten Sortiment wieder. Ob Barocktapete, Muster im Jugendstil oder Retrotapete im Stil der 1960er Jahre, im Laufe der Zeit sind immer vielfältigere Stilrichtungen hinzugekommen. Und selbstverständlich ist auch die Papiertapete erhalten geblieben, die neben Vliestapeten und Vinyltapeten zu den bekanntesten Tapetenarten gehört.