Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Auch Maler oder andere Handwerker, die sich beruflich mit dem Tapezieren beschäftigen, sind einmal klein angefangen und haben gelernt, wie es richtig geht. Wer als Laie das erste Mal selbst Wände mit neuen Tapeten bestücken möchte, benötigt ebenfalls Hilfestellung sowie eine praktische, verständliche und hilfreiche Tapezieranleitung. Wir haben deshalb die wichtigsten Tipps und Tricks zusammengetragen und bieten damit jedem, der eine Anleitung zum Tapezieren sucht, das passende Ergebnis zu seiner Suche.

Tapezieranleitung: Vorab gut zu wissen

Bevor es mit dem Tapezieren losgeht, steht der Tapetenkauf inkl. Kaufberatung an. Zuvor müssen Sie die richtige Tapete finden, Tapetensymbole auf dem Einleger verstehen und Ihren Rollenbedarf ermitteln. Die Normalbreite einer Tapetenrolle ist 53 cm, die Normallänge beträgt 10,5 Meter. Außerdem reicht eine Tapetenrolle für ca. 5 qm. Der Tapetenbedarf kann mit einer einfachen Formel berechnet werden. Türen und Fenster werden als Wandfläche übrigens immer mitgerechnet.

(Raumumfang x Wandhöhe) : 5

16 m x 2,50 m = 40 qm

40 qm : 5 = 8 Rollen

Da das Gelingen beim Tapezieren immer auch vom Untergrund abhängt, sollte dieser im Vorfeld genau geprüft werden – ein wichtiger Bestandteil jeder Tapezieranleitung! Tapezieren ist einfach, wenn Untergrund und Tapetenart aufeinander abgestimmt sind und ein paar grundsätzliche Regeln beachtet werden.

Anleitung zum Tapeten entfernen

Der Untergrund muss in jedem Fall trocken, sauber, fest und glatt sein, weshalb zum Beispiel alte Tapeten und Beläge restlos entfernt werden müssen. Waschbeständige Tapetenoberflächen sollten zuerst angeschliffen oder mit einem Perforator – einer sogenannten Igelwalze – perforiert werden, damit das Wasser, welches zum Ablösen mittels Sprüher oder Quast aufgetragen wird, besser eindringen kann. Wasser eignet sich gut, noch einfacher geht es jedoch mit einem speziellen Tapetenablöser, der dem Wasser zugegeben wird. Ein mehrfaches Einstreichen oder Einsprühen erleichtert das Ablösen!  Und wenn der Untergrund vor dem Tapezieren bereits gut vorbereitet war, geht das Entfernen der Tapeten noch einfacher von der Hand. Nicht ohne Grund steht also in jeder Tapezieranleitung, wie wichtig die Vorbereitung des Untergrundes ist.

Tipps & Tricks zum Untergrund vorbereiten

Die Tapezieranleitung wäre nicht vollständig, enthielte sie nicht auch praktische Hinweise zur richtigen Vorbereitung des Untergrundes:

Eventuell vorhandene Feuchtigkeit bei Putz- und Betonuntergründen wird mit einer Folienprobe ermittelt. Feuchtigkeit im Untergrund ist am nächsten Tag in Form von Kondenswasser hinter der Folie sichtbar. Die Wand sollte unbedingt austrocknen, bevor sie tapeziert wird.

Mit einem spitzen Gegenstand wird die Festigkeit der Oberflächen geprüft. Die so entstehende Kratzstelle darf nicht ausplatzen.

Entsteht beim Abreiben des Untergrundes eines deutlicher Abrieb, ist eine Vorbehandlung erforderlich. Bei aufplatzenden Kratzstellen und sandenden Putzen ist unbedingt eine Grundierung mit Tapetengrundiermittel erforderlich.

Bei glatten, tragfähigen, aber sehr stark saugfähigen Untergründen wird mit einem verdünnten Kleister vorgekleistert, um die zu starke Saugfähigkeit zu mindern.

Ein Tapetenwechselgrund ist bei Gipskartonplatten sinnvoll. Bei späterer Renovierung können so die Tapeten mühelos trocken abgezogen werden, ohne dass die Gipskartonplatten beschädigt werden.

Möchten Sie hellgrundige, transparente Vliestapeten verwenden, kann die Wand mit einem pigmentierten Tapetengrund vorgestrichen werden, damit dunkle Stellen später nicht durchscheinen.

Beschädigungen oder unebene Stellen in der Wand müssen vor der Tapezierung ausgespachtelt und ausgeglichen werden, damit sie sich nicht durch die Tapete drücken.

Renoviervliese können auf allen Innenflächen zur Egalisierung verschiedener Untergründe auch auf nicht saugfähigen Wänden eingesetzt werden.

Anleitung zum Zuschneiden & Einkleistern

Auch beim Zuschneiden und Einkleistern der Tapetenrollen gibt es einige Hinweise zu beachten, weshalb jede gute Tapezieranleitung auch darauf eingehen sollte. Zunächst einmal sollten Sie folgende Gegenstände bereithalten:

  • - Tapeziertisch
  • - Bürste
  • - Lammfellrolle
  • - Zollstock
  • - Spachtel
  • - Lot
  • - Cuttermesser
  • - Schere
  • - Wasserwaage
  • - Tapetenkleister
  • - Tapeten

Tapeten zuschneiden

Zum Zuschneiden wird die Tapetenrolle mit dem Muster nach oben auf dem Tapeziertisch ausgerollt. Die Raumhöhe wird ausgemessen und zu diesem Maß werden noch etwa 5 bis 10 cm Verschnittzugabe hinzugegeben. Zum Ablängen der Tapetenbahnen wird eine Schere oder ein spezieller Tapetenabreißer verwendet.

Die Rapportsymbole auf dem Einleger zeigen den richtigen Musteransatz an und dienen als „Anleitung“ zum Tapezieren bzw. Zuschneiden, wenn Sie Mustertapeten, grafische Tapeten oder Ähnliches gewählt haben.

Bei einer ansatzfreien Tapete muss beim Zuschnitt der Tapetenbahnen nicht auf Muster und Rapport geachtet werden. Sie können von der Rolle aus direkt auf dem Kleister von oben nach unten abgerollt und blasenfrei angedrückt werden. Wird sauber an der Fußleiste unten abgeschnitten, kann die Tapete an der Decke wieder neu angesetzt werden.

Beim geraden Ansatz sind alle Bahnen im Muster identisch, was bedeutet, dass beim Zuschneiden der Tapetenbahnen jeweils Musterfigur auf Musterfigur gelegt wird.

Beim versetzten Ansatz verschiebt sich also das Muster bei jeder zweiten Bahn um einen halben Musterrapport. Durch Anlegen der versetzten Bahn an die anstoßende Seite kann der Rapport kontrolliert werden.

Wandkleistertechnik vs. Tapete einkleistern

Zum Kleben von Tapeten wird Spezialkleister verwendet, welcher zum einen auf die gewählte Tapetenart abgestimmt und zum anderen genau nach Anleitung im angegebenen Verhältnis mit kaltem Wasser angerührt sein muss. Während Vliestapeten mittels Wandkleistertechnik angebracht werden, müssen Papiertapeten auf dem Tisch eingekleistert werden. Dafür wird die obere Bahn an die Vorderkante des Tisches gezogen und mit der Bürste von der Mitte her eingekleistert.

Zum Transport und Durchweichen der Papiertapete wird die eingekleisterte Bahn zusammengelegt, sodass von oben 2/3 und von unten 1/3 umgeschlagen wird. Die Tapete wird dann zusammengeklappt und zum Einweichen an die Seite gelegt. Die Weichzeiten können sehr unterschiedlich sein und je nach Stärke der Papiertapete zwischen 5 und 10 Minuten liegen – Genug Zeit, um sich unsere Tapezieranleitung weiter durchzulesen!

Es geht los – Anleitung zum Tapezieren

Obwohl heute alle Tapeten auf Stoß geklebt werden, wird am besten mit der ersten Bahn am Fenster begonnen. Mit der Wasserwaage oder einem Lot wird eine Senkrechte markiert, an der die erste Tapetenbahn ausgerichtet wird – dabei muss die Breite der Fensternische berücksichtigt werden.

Vliestapeten

In der Wandklebetechnik, wie sie bei Vliestapeten verwendet wird, wird die Wand etwas über die Markierungen hinaus eingekleistert – natürlich auch die Wand der Fensterleibung. Die Tapetenbahn wird oben angesetzt, an der Markierung entlang ausgerichtet und von oben her mit einer Tapezierbürste angedrückt. Am oberen Überstand wird die Tapete mit einem Cuttermesser am Spachtel abgeschnitten. An der oberen Kante der Fensterleibung wird die Tapete eingeschnitten. Der Tapetenstreifen wird jetzt in die Leibung bis zum Fenster eingeklappt und gut angedrückt. Dann wird die Tapete auch unten an der Fußleiste abgeschnitten. Abschließend wird die eingeklappte Bahn mit Cuttermesser und Spachtel direkt am Fensterrahmen beschnitten.

Papiertapeten

Bei Papiertapeten ist die Anleitung rund um die Fensterleibung (und auch bei Ecken) anders: Fensternischen werden ebenfalls von der Seite antapeziert. Um die Tapete auch oben in der Nische an der Leibung einklappen zu können, wird mustergerecht ein Reststück der Tapete auf die bereits klebende Bahn aufgesetzt. Mit dem Cuttermesser werden dann beide Tapeten von oben bis zur Ecke durchtrennt. Der überklebte untere Bahnrest wird entfernt und die obere Bahn wird in die Leibung eingeklappt. Sie wird anschließend genau am Fensterrand mit Spachtel und Cuttermesser beschnitten.

Und nun: Bahn für Bahn

Bei Vliestapeten wird für die jeweils anschließende Bahn der Kleister bahnenweise mit der Rolle auf die Wand aufgetragen. Die zugeschnittenen Bahnen werden aufgerollt und trocken in den aufgetragenen Kleister eingelegt. Bei Papiertapeten werden die eingeweichten Bahnen an die Wand gebracht. Zum Andrücken wird in beiden Fällen wieder die Tapezierbürste verwendet, es kann aber auch eine Tapetenrolle verwendet werden. Von der Mitte aus, oben beginnend, wird die Bahn angedrückt. Die Lufteinschlüsse werden zu den Seiten hin ausgestrichen. Überstände an der Deckenecke oder am Boden werden wieder mit dem Spachtel zur Ecke gedrückt und mit dem Cuttermesser am Spachtel abgeschnitten.

Nachfolgende Bahnen werden auf Stoß, bei Rapporttapeten im Musteransatz, passend angesetzt. Um Außenecken oder durch Innenecken nie in voller Bahnbreite tapezieren, da sonst beim Trocknen Falten entstehen! Die Bahn wird deshalb der Länge nach ausgeschnitten, sodass sie ca. 1 cm über die Ecke reicht. Nahtstellen werden am besten mit einem Nahtroller nachbehandelt, damit die Tapete auch bis an den Rand klebt. Der Rest der Bahn kommt an die neue Wand und wird ausgemessen. In entsprechendem Abstand wird diese Bahn neu ausgelotet, da keine Ecke in einem Raum senkrecht ist. Nach dem Einkleistern wird sie dort angesetzt. Türöffnungen werden von einer Seite antapeziert. Die Tapete wird an der Türöffnung abgeschnitten. Ist ein Rahmen eingesetzt, wird die Tapete mit Cuttermesser und Kunststoffspachtel abgeschnitten.

Sind Heizkörper im Raum vorhanden, müssen auch sie beim Tapezieren berücksichtigt werden. Wir empfehlen, von allen Seiten nur 10 bis 20 cm hinter den Heizkörper zu tapezieren. Möchten Sie die Bahnen voll dahinter verlaufen lassen, wird jede Bahn in schmale Streifen von etwa 10 cm geschnitten und mit einem Farbroller von oben, unten und durch die Rippen (falls vorhanden) durchgedrückt. Da das mitunter sehr kniffelig werden kann, empfehlen wir in unserer Anleitung, hinter Heizkörpern nicht vollständig zu tapezieren. Dahinter in der Grundfarbe zu streichen ist natürlich auch möglich. Und wer die Möglichkeit hat, kann den Heizkörper zum Tapezieren auch abmontieren.

Nach dem Tapezieren der letzte Tipp in unserer Tapezieranleitung: Nicht zu stark lüften und heizen, da sonst die Nähte aufgehen. Die Raumtemperatur sollte zwischen 15 und 20 C° liegen.