Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Auch Maler oder andere Handwerker, die sich beruflich mit dem Tapezieren beschäftigen, sind einmal klein angefangen und haben gelernt, wie es richtig geht. Wer als Laie das erste Mal selbst Tapeten anbringen möchte, benötigt ebenfalls Hilfestellung in Form einer praktischen, verständlichen und hilfreichen Tapezieranleitung.

In diesem Beitrag haben wir die wichtigsten Tipps und Tricks zusammengetragen und erklären in unserer Anleitung zum Tapezieren, was man im Vorfeld beachten sollte und wie sich Tapeten zuschneiden, einkleistern und anbringen lassen.

1. Vorarbeiten

Wer sich fragt, was man vor dem Tapezieren beachten muss und wie man sich am besten vorbereitet, findet hier die Antworten. Die Vorarbeiten bestimmen das spätere Endergebnis. Bevor es mit der eigentlichen Arbeit losgeht, gilt es die Tapetensymbole auf dem Einleger zu verstehen, das Werkzeug zusammenzusuchen, Lichtschalter und Steckdosen abzumontieren und den Kleister richtig anzurühren. Vorab noch vier Hinweise:

  • Lesen Sie den Einleger aufmerksam, um keine Herstellerangaben zur Verarbeitung zu übersehen.
  • Tapezieren Sie nur Rollen mit gleicher Anfertigungsnummer, um Farb- oder Musterabweichungen im Gesamtbild zu vermeiden.
  • Informieren Sie sich, welcher Kleister für welche Tapete geeignet ist und stimmen den Tapetenkleister auf die Tapete ab.
  • Schließen Sie die Fenster und drehen Sie dir Heizung runter, damit die Tapeten optimal trocknen können. 18 bis 20 Grad Raumtemperatur sind ideal.

Da das Gelingen aber immer auch vom Untergrund abhängt, sollte dieser vor dem Tapezieren genau geprüft werden! Unsere Tapezieranleitung kann noch so gut geschrieben sein – nur wenn die Wand farbneutral, trocken, sauber, tragfähig, saugfähig und glatt ist, stehen die Chancen gut für einen Tapeziererfolg ohne typische Fehler. Wichtige Vorarbeiten beinhalten deshalb immer das Entfernen von alten Tapeten und die Vorbereitung des Untergrundes. Da diese Vorbereitungen mitunter aufwändiger sind als das eigentliche Tapezieren, sollten Sie immer ausreichend Zeit einplanen!

Ist alles soweit vorbereitet, kann es mit dem Zuschneiden und Einkleistern der Tapeten weitergehen.

2. Tapeten zuschneiden

Nur wenn die Tapetenbahnen korrekt und sauber zugeschnitten sind, gelingt das Tapeziervorhaben und gefällt das Endergebnis. Wie Sie beim Zuschneiden vorgehen sollten, hängt stark von der gewählten Tapete und ihrem Muster (Rapport/Ansatz) ab. Die Tapetensymbole bzgl. des Musteransatzes dienen als Anleitung, wie man Tapeten richtig zuschneidet!

Unabhängig davon gilt: Wird die Tapete auf dem Tapeziertisch ausgerollt, lässt sie sich leicht zuschneiden. Bleistift, Tapeziermesser/Cuttermesser oder Tapezierschere/Tapetenschiene sollten bereitliegen. Das Muster der Tapete soll nach oben zeigen; abgerollt wird nach hinten hin. Das ermittelte Maß kann direkt auf der Rolle angezeichnet werden, um das Abschneiden zu erleichtern. Mindestens 2,5 cm Verschnittzugabe sollten jeweils oben und unten hinzugerechnet werden, damit beim späteren Anbringen ausreichend Spielraum vorhanden ist und ein sauberer Abschluss an Decke und Fußboden entsteht. Tapeten werden also mit mindestens 5 cm, besser sogar mit 10 cm Zugabe zugeschnitten. Außerdem sollten die Bahnen immer rechtwinklig abgeschnitten werden, was mit einer Tapetenschiene besonders leicht gelingt.

Tapete zuschneiden
Tapeten sorgfältig zuschneiden
Zuschneiden der Tapete
Musteransatz und Verschnittzugabe berücksichtigen

Ansatzfreie Tapete zuschneiden

Bei einer ansatzfreien Tapete muss beim Zuschnitt der Tapetenbahnen nicht auf Muster/Rapport geachtet werden. Handelt es sich dabei um eine Tapete, die mit Wandklebetechnik angebracht werden muss, wird Bahn für Bahn ohne Verschnitt zugeschnitten. Alternativ kann sie von der ganzen Rolle aus an die eingekleisterte Wand angebracht und von oben nach unten abgerollt und angedrückt werden. Wird die Bahn unten sauber an der Fußleiste abgeschnitten, kann die nächste Bahn wieder oben angesetzt werden. Eine Papiertapete dagegen muss grundsätzlich zugeschnitten werden, da sie eingekleistert und zusammengefaltet einweichen muss.

Tapete mit geradem Ansatz zuschneiden

Bei einer Tapete mit geradem Ansatz werden beim Zuschneiden Kopien der ersten Bahn angefertigt, indem Muster auf Muster gelegt wird. Alle zugeschnittenen Tapetenbahnen sollen exakt gleich aussehen und die gleiche Länge haben. Der Verschnitt fällt gering aus.

Tapete mit versetztem Ansatz zuschneiden

Tapeten mit versetztem Ansatz

Bei einer Tapete mit versetztem Ansatz werden die Muster versetzt zueinander positioniert, weshalb das Zuschneiden schwieriger ist. Aufeinanderfolgende Bahnen sehen nicht gleich aus, dafür ist aber jede zweite Bahn identisch. Wir empfehlen, die einzelnen Bahnen auf dem Fußboden passend auszulegen und zuzuschneiden, um nicht die Übersicht zu verlieren. Nicht wundern: Bei diesem Musteransatz entsteht relativ viel Verschnitt!

Tipp: Mit 2 Rollen gleichzeitig arbeiten, um den Verschnitt gering zu halten. Dafür die erste Rolle in gleich aussehende Bahnen schneiden und mit den ungeraden Nummern 1, 3, 5, … nummerieren. Aus der zweiten Rolle die verschobenen Bahnen zuschneiden und mit den geraden Nummern 2, 4, 6, … nummerieren. Auch diese Bahnen müssen gleich aussehen. Die Tapetenbahnen sollten immer auf der Rückseite oben mit einem Bleistift beschriftet werden, um nicht durcheinanderzukommen.

Sind die Tapeten richtig zugeschnitten, kann es nun laut Anleitung mit dem Einkleistern und Tapezieren losgehen!

3. Wand oder Tapete einkleistern?

Wir werden häufig gefragt, ob bei einer Tapete die Wand oder die Tapete selbst eingekleistert werden muss. Unsere Antwort: Das hängt vom Trägermaterial ab und kann als Symbol auf dem Einleger abgelesen werden!

Symbol Tapete einkleistern
Symbol Wand einkleistern: gilt für Tapeten mit Vliesträger
Symbol Tapete einkleistern
Symbol Tapete einkleistern: gilt für Tapeten mit Papierträger

Vliestapeten, also Tapeten mit Vliesträger, werden mittels Wandklebetechnik auf die eingekleisterte Wand geklebt. Der Kleister wird immer nur für zwei bis drei Bahnen aufgetragen, damit er nicht zu schnell trocknet. Wir empfehlen einen Blick in unsere Tapezieranleitung für Vliestapeten zu werfen.

Papiertapeten, also Tapeten mit Papierträger, werden selbst eingekleistert. Das Einkleistern von Papiertapeten geschieht entweder mit Kleisterrolle/Tapezierbürste oder mit Hilfe einer Kleistermaschine. Nun wird die eingekleisterte Bahn zusammengelegt, sodass von oben 2/3 und von unten 1/3 umgeschlagen werden, und sie zum Einweichen an die Seite gelegt. Die Weichzeit kann sehr unterschiedlich sein und je nach Stärke der Papiertapete zwischen 5 und 10 Minuten liegen. Wir empfehlen einen Blick in unsere Tapezieranleitung für Papiertapeten zu werfen.

Vliestapete Wand einkleistern
Bei Vliestapeten wird die Wand eingekleistert
Papiertapeten einkleistern
Bei Papiertapeten wird die Tapete eingekleistert

4. Tapezierrichtung

Wo fängt man mit dem Tapezieren an? Wir empfehlen, immer am Fenster oder an der Lichtquelle zu beginnen und davon wegzuarbeiten, sodass die letzte Bahn in der dunkelsten Ecke des Raumes geklebt wird. Als Faustregel gilt: Immer vom Licht weg tapezieren! Eine Ausnahme sind Tapeten mit sehr auffälligen Mustern, die Symmetrie erfordern. Bei ihnen sollte man mit dem Tapezieren in der Mitte einer Wand beginnen.

5. Ausloten

Keine Wand und keine Ecke sind zu 100 % gerade. Mit der Wasserwaage oder einem Lot sollte deshalb an jeder neuen Wand für die erste Bahn eine senkrechte Lotlinie angezeichnet werden, an der diese ausgerichtet wird. Dadurch wird gewährleistet, dass die erste Bahn gerade an der Wand sitzt und alle nachfolgenden Bahnen ebenfalls gerade sind.

Tapete ausloten
Eine Lotlinie an die Wand anzeichnen
Tapete oben ansetzen
Von der Decke nach unten arbeiten

5. Tapeten kleben

Geklebt werden Tapeten immer von oben nach unten. Die Bahn wird mit etwas Überstand zur Decke angesetzt und mit einer Tapezierbürste von oben nach unten und von der Mitte zu den Rändern angedrückt und glattgestrichen, sodass auch Lufteinschlüsse verschwinden. Nachfolgende Bahnen werden auf Stoß Naht an Naht angesetzt. Mit einem Nahtroller werden die Ränder gut angedrückt, damit die Nähte später nicht auffallen. Die Überstände an der Decke und am Boden sollten ganz zum Schluss rechtwinklig abgeschnitten werden.

Nach dem Tapezieren der letzte Tipp in unserer Tapezieranleitung: Nicht zu stark lüften und heizen, da sonst die Nähte der neuen Tapete aufgehen.

Bildquellennachweis:
Titelbild: Junges Paar hat Spaß beim Tapezieren: ©Robert Kneschke/stock.adobe.com
Tapeten sorgfältig zuschneiden: Handyman, worker measuring wallpaper to cut. Home renovation and repair concept: ©artursfoto/stock.adobe.com
Musteransatz und Verschnittzugabe berücksichtigen: Renovierung tapezieren: ©Leonardo Franko/stock.adobe.com
Wand einkleistern: Glueing wallpapers at home. Young man, worker is putting up wallpapers on the wall. Home renovation concept: ©artursfoto/stock.adobe.com
Tapete einkleistern: Repair, building and home renovation concept - close up of male hands smearing wallpaper with glue and roller: ©artursfoto/stock.adobe.com
Lotlinie anzeichnen: Flatness of wall: ©pressmaster/stock.adobe.com
Von der Decke nach unten arbeiten: Decorator hanging wallpaper: ©auremar/stock.adobe.com