Dachschräge & Decke richtig tapezieren - Eine Anleitung

Dachschräge & Decke richtig tapezieren - Eine Anleitung

Wer Lust auf eine neue Tapete und eine gestalterische Veränderung hat, sollte beim Tapezieren ein harmonisches Gesamtbild entstehen lassen, bei dem Wand und Decke eine stimmige Einheit ergeben. Ein Raum mit einer Dachschräge – eine Schräge im Verlauf des Dachs – sowie der Übergang zwischen Decke und Wand können beim Tapeziervorhaben jedoch zur Herausforderung werden.

In unserer praktischen Anleitung erklären wir, wie sich Dachschrägen und Decken richtig tapezieren lassen, worauf zu achten ist und welche Tipps und Tricks Profi-Handwerker für das Anbringen von Tapeten kennen.

1. Zubehör

Für ein einfaches, schnelles und sauberes Anbringen von Tapeten an Decke und Dachschräge ist das richtige Tapezierzubehör unerlässlich. Es gilt: Ein Handwerker ist nur so gut wie sein Werkzeug!

Das wird benötigt:

  • Leiter
  • Besen
  • Schlagschnur oder Lot
  • Abdeckmaterial für den Fußboden & Kreppband zum Fixieren
  • Kleister
  • Eimer & Rührstab zum Anrühren des Kleisters
  • Tapeziertisch für Papiertapeten (bei Vliestapeten nicht notwendig)
  • Cuttermesser oder Tapetenmesser zum Zuschneiden der Tapetenbahnen
  • Kleisterbürste / Quast zum Einkleistern der Decke oder Tapete
  • Tapezierbürste / Tapetenwischer für Papiertapeten
  • Nahtroller, Andrückrolle / Moosgummiwalze für Vliestapeten
  • feuchter Schwamm zum Entfernen von Kleisterresten

2. Dachschräge vorbereiten

Es heißt, eine Dachschräge sei beim Tapezieren eine Problemzone, mit der auch erfahrene Handwerker zu kämpfen haben. Mit der richtigen Vorbereitung, einer praktischen Anleitung und hilfreichen Tipps, gelingt dieses Vorhaben aber im Handumdrehen!

Vorab gilt es sich zu entscheiden, ob eine Bahn an einem Stück angebracht oder mit zwei einzelnen Bahnen gearbeitet wird. Entgegen weitläufiger Meinungen kann der Übergang zwischen Dachschräge (Kniestock) und darunter liegender Wand sehr wohl mit einer durchgehenden Tapetenbahn tapeziert werden. Dafür sind jedoch Feingefühl, ein ebener Untergrund und eine nicht zu schwere Tapete erforderlich. Andernfalls kann sie sich mit der Zeit im Knick ablösen oder Dellen und Beulen würden eine makellose Optik stören. Versierte Heimwerker tapezieren in voller Länge! Bei Unsicherheiten und einer sehr schweren Tapete ist das Tapezieren mit einer zweiten Tapetenbahn die sicherste und angenehmste Methode.

Tipp: Um die richtige Länge der Tapetenbahnen für die Schräge zu bestimmen, werden die Dachschräge und die Länge der unteren senkrechten Wand ausgemessen. Sowohl für die Tapetenbahn der Schräge als auch für die der Wand werden ca. 5 bis 10 cm für den Verschnitt hinzugerechnet. Gleiches gilt, wenn eine Bahn in voller Länge verwendet wird.

Schritt für Schritt vorbereiten

  1. Fußboden und Heizkörper mit Abdeckvlies oder Plane bedecken und das Abdeckmaterial an den Fußleisten mit Kreppband fixieren. So bleiben sie vor Verschmutzungen durch tropfenden Kleister verschont.
  2. Sitzt noch eine alte Tapete an der Dachschräge, muss sie entfernt und der Untergrund so vorbereitet werden, dass er sauber, trocken, glatt und tragfähig ist.
  3. Die Tapetenbahnen mit der richtigen Länge plus Verschnitt mit einem Messer zuschneiden.
  4. Kleister nach Angabe auf der Verpackung anrühren.
  5. Bei Papiertapeten und Raufasertapeten: Die zugeschnittenen Bahnen auf dem Tapeziertisch einkleistern, zusammenlegen und die Weichzeit beachten. Bei Vliestapeten: Die Wand vollflächig einkleistern.

 

Eine Dachschräge ohne Tapete
Eine Dachschräge ohne Tapete
Dachschräge fertig tapeziert
Dachschräge fertig tapeziert

3. Anleitung Dachschräge tapezieren

Sind alle Vorbereitungen getroffen, kann das Anbringen der Tapete an die Dachschräge beginnen. Je nachdem, welche Methode gewählt wird, gelten die nachfolgenden Schritte.

Dachschräge mit Tapetenbahn am Stück tapezieren

Neigung und Höhe sowie eine sehr lange Tapetenbahn, die für die Schräge und die Wand darunter reichen muss, erschweren das Anbringen. Mit Hilfe einer zweiten Person wird es leichter gelingen, da sie den unteren Teil der Bahn von der Wand weghalten und beim Andrücken mit einem Besen nachhelfen kann. Ein langsames, vorsichtiges Arbeiten unterstützt das Endergebnis!

  1. Ggf. auf die Leiter steigen und die erste Bahn oben an der Schräge bündig zum Wandabschluss ansetzen, ausrichten, andrücken und festhalten. Dabei die Tapete ruhig ein Stück in den Deckenbereich schieben, sodass sie übersteht.
  2. Stück für Stück entlang der Schräge nach unten arbeiten und die Tapete immer wieder (mit dem Besen) andrücken, damit die Schwerkraft nicht wirken kann. Luft zu den Seiten hinausstreichen.
  3. Falls weitere Bahnen angebracht werden müssen, diese Kante an Kante an die vorherige Bahn setzen und mit einem Nahtroller den sauberen Übergang sicherstellen.

Tipp: Der Überstand wird im Idealfall nicht am Falz abgetrennt, so wie es beim Tapezieren von Decken gemacht wird, sondern vollständig aufgeklebt und mit der Deckentapete übergeklebt. Wer einen Raum mit einer Dachschräge und zusätzlich die Decke tapezieren möchte, arbeitet deshalb zuerst an der Schräge und dann an der Zimmerdecke. Wird nur die Dachschräge tapeziert, wird der Überstand mit einem scharfen Messer abgeschnitten.

Dachschräge mit zwei Tapetenbahnen tapezieren

  1. Ggf. auf die Leiter steigen und die erste Bahn oben an der Schräge bündig zum Wandabschluss ansetzen, ausrichten, andrücken und festhalten.
  2. Stück für Stück entlang der Schräge nach unten arbeiten und die Tapete immer wieder (mit dem Besen) andrücken, damit die Schwerkraft nicht wirken kann. Luft zu den Seiten hinausstreichen.
  3. Am unteren Ende der Schräge angekommen, die Tapete mit etwas Überstand zur darunter liegenden Wand kleben.
  4. Die für die senkrechte Wand abgemessene Bahn direkt unter der Dachschräge ansetzen, sodass die 5-cm-Zugabe überklebt wird. Justieren und andrücken.
  5. Falls weitere Bahnen angebracht werden müssen, diese Kante an Kante an die vorherige Bahn setzen. Wieder zuerst die Dachschräge, dann die Wand. Mit einem Nahtroller den sauberen Übergang sicherstellen.

Tipp: Handelt es sich bei der Tapete um eine Mustertapete, ist sie so anzusetzen, dass das Muster perfekt fortgeführt und nicht unterbrochen wird. Oft entsteht dadurch ein Überstand, der später mithilfe des sogenannten Doppelnahtschnittes wieder entfernt wird.

4. Geeignete Tapeten

Um die Zimmerdecke perfekt zu tapezieren, sollte auf eine passende Deckentapete zurückgegriffen werden. Welche Tapete für die Decke geeignet ist, hängt zum einen von ihrer Qualität, Struktur und Verarbeitungsweise ab, zum anderen von den eigenen optischen Vorlieben und Budgetgrenzen.

Lange war die klassische Raufasertapete in der Farbe Weiß bewährt, da sie günstig zu kaufen ist und immer wieder übergestrichen werden kann. Wir empfehlen jedoch moderne Vliestapeten, da sie nicht eingekleistert werden müssen, sich einfacher und ohne Weichzeit verarbeiten lassen und beim nächsten Tapetenwechsel mühelos zu entfernen sind. Auch sie können mehrmals übergestrichen werden.

Renommierte Hersteller wie Marburg und A.S. Création führen in ihrem Sortiment eine große Auswahl an Tapeten für die Decke auf Vliesträger-Basis. Statt einfachem Weiß bieten sie lebhafte Strukturen und verschiedene Weiß-, Beige- und Grautöne, mit denen sich unterschiedlichste Ideen der Deckengestaltung realisieren lassen.

Auch besondere Strukturtapeten eignen sich als Deckentapete, wenn außergewöhnliche Optik und dreidimensionale Effekte gewünscht sind. Mit gut sichtbaren Prägungen werden sie an der Zimmerdecke zum Hingucker und ähneln zum Beispiel barockem Stuck, wie er aus historischen Gebäuden und Altbauwohnungen bekannt ist.

5. Decke vorbereiten

Das Tapezieren einer Zimmerdecke stellt vor allem ungeübte Hobby-Renovierer vor eine Herausforderung. Doch keine Panik: Selbst für Profis im Handwerk zählt das Anbringen einer Tapete an der Decke zu den anspruchsvollen Arbeiten. Gute Vorbereitung hilft, einen kühlen Kopf zu bewahren, damit die Deckentapete später gerade sitzt, gut haftet und keine Blasen wirft.

Tipp: Selbst für Geübte ist das Tapezieren über Kopf nicht einfach. Am leichtesten gelingt das Anbringen von Tapeten an der Decke zu zweit, idealerweise sind also helfende Hände als tatkräftige Unterstützung anwesend! Für ein sicheres und entspanntes Arbeiten ist zudem ausschließlich eine standsichere, rutschfeste und intakte Leiter zu verwenden und eine Kopffreiheit von ca. 10 cm Abstand zur Decke zu empfehlen.

Vorbereitung Schritt für Schritt

  1. Fußboden und Heizkörper mit Abdeckvlies oder Plane bedecken und das Abdeckmaterial an den Fußleisten mit Kreppband fixieren. So verschmutzen Kleisterreste, die von der Decke oder der Kleisterrolle tropfen, nicht den Boden und die Heizkörper.
  2. Deckenleuchten abmontieren, da sie beim Tapezieren stören. Kabel und Lüsterklemmen können bleiben. Achtung: Vor der Demontage unbedingt die Sicherung ausschalten!
  3. Sitzt noch eine alte Tapete an der Zimmerdecke, muss sie entfernt und der Untergrund vorbereitet werden, sodass die Decke sauber, trocken, glatt und tragfähig ist.
  4. Die Deckentapete mit einem Überstand von 10 cm Bahn für Bahn mit einem Messer zuschneiden. Für den Anfang und das Ende der Tapetenbahn jeweils 5 cm einplanen.
  5. Kleister nach Angabe auf der Verpackung anrühren.

Tipp: Die Zimmerdecke sollte immer vor den Wänden tapeziert werden. So lassen sich Kleisterreste, die unbeabsichtigt von der Decke tropfen noch schnell mit einem nassen Schwamm entfernen, bevor sie schöne Wandtapete verschmutzen. Der Übergang zwischen Wand und Decke lässt sich so ebenfalls besser tapezieren.

6. Anleitung Decke tapezieren

Sind alle Vorbereitungen getroffen, kann es Schritt für Schritt losgehen mit dem Tapezieren der Zimmerdecke.

  1. Bei Papiertapeten und Raufasertapeten: Die zugeschnittenen Bahnen auf dem Tapeziertisch einkleistern, zusammenlegen und die Weichzeit beachten. Bei Vliestapeten: Die Wand vollflächig einkleistern.
  2. Die erste Bahn anbringen: Mit der Schlagschnur eine parallele Linie zur Seitenwand im Abstand von etwas weniger als einer Bahnbreite ziehen (ca. 50 cm). Lichteinfall beachten und immer von der Hauptlichtquelle wegarbeiten, um Kantenschatten zu verhindern.
  3. Die Deckentapete wird von der Person auf der Leiter Stück für Stück in Position gebracht und angedrückt. Die zweite Person am Boden hält die restliche Tapetenbahn mit dem Besen hoch und streicht sie anschließend nach. Das sorgt für zusätzlichen Halt.
  4. Die überstehenden Tapetenenden an der Wand festdrücken, bis ein Falz bzw. eine Kante entsteht. Die Tapete ein Stück von der Decke lösen und die Enden auf Höhe der Kante mit einem Messer abschneiden. Die Tapete wieder bündig anlegen und andrücken.
  5. In Richtung der gegenüberliegenden Wand weiterarbeiten. Für einen sauberen Übergang die einzelnen Bahnen Kante an Kante exakt aneinandersetzen und mit einem Nahtroller andrücken.

Tipp: Kabel und Lüsterklemmen werden einfach übertapeziert. Dafür die entsprechende Stelle in der Tapete mit einem Messer kreuzförmig einschneiden und die Kabel durchziehen. Anschließend die Tapetenbahn wie gewohnt an die Zimmerdecke drücken und fixieren.

7. Decke & Dachschräge tapezieren – Ein Fazit

Decken oder Dachschrägen zu tapezieren ist nicht einfach; es ist die Königsklasse unter den Renovierungsarbeiten. Für ein perfektes Ergebnis ist nicht nur das richtige Tapezierwerkzeug, sondern auch viel Feingefühl und präzises Vorgehen gefragt. Werden die Tipps und Tricks aus unserer Anleitung beachtet und steht eine zweite Person helfend zur Seite, geht auch diese Tapezierarbeit leicht von der Hand und die Tapete an Dachschräge und Zimmerdecke erstrahlt in voller Pracht!

Bildquellennachweis:
Titelbild: attic bathroom interior 221801700: ©victorzastol'skiy/stock.adobe.com
Eine Dachschräge ohne Tapete: Dachwohnung mit Schrägen und balkon: ©dietwalther/stock.adobe.com
Dachschräge fertig tapeziert: attic bathroom interior 221801709: ©victorzastol'skiy/stock.adobe.com