Papiertapeten, also Tapeten mit Papierträger, zählen zu den Klassikern unter den Tapetenarten und sind in zahlreichen Ausführungen erhältlich. Nach wie vor gehören sie in Deutschland zu den beliebtesten Wandbelägen und werden von professionellen Malern und Tapezierern, aber auch von versierten Heimwerkern und Hobby-Renovieren an die Wände gebracht. Damit das ohne Probleme gelingt, bedarf es entweder ausreichend Erfahrung im Tapezieren von Papiertapeten oder aber einer einfachen Anleitung.

In diesem Beitrag erklären wir, woran Papiertapeten zu erkennen sind und wie sie sich richtig anbringen lassen. Außerdem verraten wir Tipps und Tricks rund um das Einkleistern, Einweichen und Kleben von Tapeten mit Papierträger.

Möchten Sie sich vorab allgemein über das Tapezieren informieren und nachlesen, welche Vorarbeiten notwendig sind oder wie Tapeten zugeschnitten werden, empfehlen wir unsere allgemeine Tapezieranleitung. Wichtig ist in jedem Fall, dass der Untergrund vorbereitet ist, bevor Sie mit dem Anbringen der Papiertapeten nach Anleitung beginnen.

1. Woran sind Papiertapeten zu erkennen?

Wer tapezieren will, muss sicher gehen, dass er für die gewählte Tapete die geeignete Tapeziertechnik anwendet. Tapeten mit Papierträger werden mit einer anderen Technik verarbeitet als Tapeten mit Vliesträger. Deshalb ist es wichtig zu wissen, woran Papiertapeten zu erkennen sind.

An der Oberfläche sehen sie aus wie andere Tapetenarten, da sie auf gleiche Art und Weise mit Motiven bedruckt werden können. Auch Strukturen, Prägungen oder Beschichtungen (z.B. mit Vinyl) sind möglich. Früher war eine blaue Rückseite ein eindeutiges Erkennungsmerkmal für Papier als Trägermaterial, doch inzwischen gilt das aufgrund von qualitativeren Fertigungsprozessen als überholt. Heute gibt die Rückseite nur noch selten Aufschluss darüber, ob es sich um eine Papiertapete handelt oder nicht. Nur bei sehr günstigen Exemplaren kann der Laie ertasten, ob es sich beim Trägermaterial auf der Rückseite um eine Papierbasis handelt.

Wer wirklich sichergehen will, muss einen Blick auf die Tapetensymbole auf dem Einleger werfen. Handelt es sich beim gewählten Wandkleid um eine Papiertapete, ist sie mit den Symbolen „Tapete einkleistern“ und „Nass zu entfernen“ gekennzeichnet.

Symbol Tapete einkleistern
Symbol Tapete einkleistern
Symbol Tapete nass entfernen
Symbol Tapete nass zu entfernen

Auch ein einfacher Trick kann beim Erkennen und Unterscheiden helfen: Reißen Sie ein kleines Stück von der Tapete ab und sehen Sie es sich genauer an. Bei einer Papiertapete ist ein fransiger Riss mit sehr kurzen Papierfasern zu erkennen. Wirken die Fasern dagegen lang, gerade und nadelartig, handelt es sich um eine Tapete mit Vliesträger.

2. Papiertapete einkleistern oder Wand einkleistern? Warum müssen Papiertapeten einweichen?

Anders als Vliestapeten, bei denen die Wand eingekleistert wird, müssen Papiertapeten eingekleistert werden. Ihr Trägermaterial muss erst einweichen, bevor sie an die Wand geklebt werden. Das macht sie geschmeidig und verhindert ein Einreißen. Außerdem dehnen sich Papiertapeten im eingekleisterten Zustand durch die Feuchtigkeitsaufnahme um etwa 1 cm in der Breite aus und ziehen sich in der Trocknungsphase an der Wand wieder zusammen. Dabei spannen sie sich glatt. Deshalb werden Tapeten mit Papierträger grundsätzlich eingekleistert und erst nach einer Weichzeit weiterverarbeitet.

3. Wie lange müssen Papiertapeten einweichen?

Wie lange Papiertapeten einweichen müssen, hängt unter anderem von ihrer Dicke und vom Kleister ab. Als Faustregel gilt eine Weichzeit von 5 bis 10 Minuten, doch häufig geben die Kleisterverpackung und/oder der Einleger nähere Auskunft über die empfohlene Einweichzeit. Ist diese zu kurz, dehnt sich die Papiertapete auf der Wand aus, was zu Falten, Rissen und Blasen führen kann. Ist diese zu lang, dehnt sie sich zu stark aus und hinterlässt nach dem Trocknen unschöne Fugen und offene Nähe zwischen den einzelnen Bahnen. Im schlimmsten Fall lässt sich die Tapete durch zu langes Einweichen nicht mehr verarbeiten, da der Kleister bereits getrocknet ist. Deshalb ist es wichtig, die empfohlene Einweichzeit genau einzuhalten!

Mindestens genauso wichtig ist, dass alle Bahnen gleich lang einweichen, damit sie sich gleich ausdehnen und an der Wand perfekt zusammenpassen. Vor allem bei gemusterten Tapeten ist die gleiche Weichzeit der einzelnen Bahnen unerlässlich, damit sich das Muster nicht verzieht. Um die Einweichzeit genau einzuhalten, empfehlen wir einen Timer/Wecker zu stellen.

Tipp: niemals mehrere Bahnen gleichzeitig einkleistern und einweichen lassen, sondern immer Bahn für Bahn arbeiten.

4. Welcher Kleister eignet sich für Papiertapeten?

Als Tapetenkleister für Papiertapeten eignen sich Normalkleister (nur für leichte Tapeten) und Spezialkleister (auch für schwere Tapeten). Letztgenannter enthält neben Stärke und Zellulose zusätzlich einen Harzanteil, der die Haftung verbessert.

5. Papiertapeten einkleistern & falten – So geht’s

Nach dem Zuschneiden der Tapete und dem Anrühren des Tapetenkleisters, kann das Tapezieren der Papiertapete beginnen. Los geht es mit dem Einkleistern der einzelnen Bahnen auf dem Tapeziertisch. Rollen Sie die Tapetenbahn mit der Rückseite nach oben aus und beschweren Sie die Enden mit geeigneten Gegenständen, damit sich die Bahn nicht wieder aufrollt. Mit Hilfe von Kleisterbürste oder Quast wird nun der Kleister großzügig und gleichmäßig von der Mitte nach außen aufgetragen. Wichtig ist, dass der Kleister bis an die Ränder der Tapete gestrichen wird, da später sonst die Nähte nicht richtig kleben. Alternativ kann auch eine Kleistermaschine genutzt werden, mit der das Einkleistern von Papiertapeten schneller und einfacher vonstattengeht.

Papiertapete einkleistern
Papiertapete einkleistern
Eingekleisterte Papiertapete falten
Eingekleisterte Papiertapete falten

Damit der Kleister während der Weichzeit nicht trocknet, werden die eingekleisterten Tapeten eingeschlagen. Dazu werden sie so gefaltet, dass sich beide Enden in der Mitte treffen und die Stellen mit Kleister exakt aufeinander liegen. Profis falten die Bahnen von beiden Seiten so zusammen, dass eine Teilung von etwa 2/3 zu 1/3 entsteht. Die kleinere Hälfte wird dann noch mal umgeschlagen. Beim Einschlagen ist wichtig darauf zu achten, dass die Kanten genau aufeinander liegen, damit die Ränder nicht austrocknen.

6. Papiertapeten tapezieren – Die erste Bahn

Beim Tapezieren von Papiertapeten empfehlen wir, mit dem Lichteinfall zu arbeiten, also die erste Bahn am Fenster oder in der Nähe der Lichtquelle anzusetzen, und vom Licht wegzuarbeiten, sodass die letzte Bahn in der dunkelsten Ecke des Raumes angebracht wird. Eine Ausnahme sind Papiertapeten mit sehr auffälligen, symmetrischen Mustern. Bei ihnen sollte die erste Bahn in der Mitte der Wand bzw. an einem Punkt, der am weitesten entfernt zur Hauptlichtquelle liegt, angesetzt werden.

Damit die erste Tapetenbahn gerade angebracht wird und die weiteren Bahnen nicht schief geklebt werden, empfehlen wir, mit der Wasserwaage oder einem Lot eine senkrechte Lotlinie an der Wand anzuzeichnen, an der die Tapete ausgerichtet wird. Ist die richtige Position gefunden, kann die erste Bahn an die Wand geklebt werden. Stellen Sie sich dafür am besten auf eine Leiter, denn Sie müssen von der Decke nach unten bis zur Fußleiste bzw. zum Fußboden arbeiten.

Tapete ausloten
Lotlinie anzeichnen
Tapete oben ansetzen
Tapeten immer oben ansetzen und nach unten arbeiten

Nehmen Sie die eingeweichte Bahn in die Hand, öffnen die obere gefaltete Seite und lassen das untere Ende noch zusammengeschlagen. Legen Sie die geöffnete Hälfte, beginnend von der Decke, an der ausgeloteten Linie an und drücken Sie sie leicht fest. Nun entfalten Sie die untere Hälfte der eingeschlagenen Tapete und arbeiten an der Lotlinie entlang nach unten. Mit einer Tapezierbürste streichen Sie von oben nach unten und von der Mitte zu den Rändern, um die Papiertapete luftblasenfrei und glatt zu kleben. Die nachfolgenden Bahnen werden auf Stoß, also Naht an Naht, tapeziert.

Papiertapete kleben
Gefaltete Papiertapete an die Wand bringen
Papiertapete auf Stoß kleben
Bahn für Bahn Naht an Naht kleben

Achtung: Es gibt Ausnahmen und schwierige Stellen, die mit Bedacht zu tapezieren sind. Darauf gehen wir in separaten Anleitungen ein:

Sind alle Bahnen der Papiertapete richtig angebracht, folgen die letzten Arbeiten und unsere Anleitung neigt sich dem Ende zu. Mit einem Nahtroller werden die Ränder angedrückt, sodass die Nähte später nicht auffallen. Schneiden Sie die überstehende Tapete an der Decke und am Boden rechtwinklig ab. Am besten gelingt das mit einem Lineal oder einer Schiene und einem Cuttermesser. Entfernen Sie Kleisterreste von der Tapete und lassen Sie sie richtig trocken.

Beim Trocknen von Papiertapeten ist es wichtig, die Fenster geschlossen zu halten und nicht übermäßig zu heizen. Zugluft und Wärme begünstigen eine zu schnelle Trocknung. Das führt dazu, dass der Kleister an den Nähten und Ecken zu schnell verdunstet und die Tapete nicht richtig klebt. Die optimale Temperatur liegt bei 18 bis 20 °C.

7. Die 5 häufigsten Fehler beim Tapezieren von Papiertapeten

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Bahn für Bahn Naht an Naht kleben: Glueing wallpapers at home. Young man, worker is putting up wallpapers on the wall. Home renovation concept: ©artursfoto/stock.adobe.com