Beim Tapezieren kommt es nicht nur auf die Qualität der Tapete oder die handwerklichen Fähigkeiten an. Auch der verwendete Tapetenkleister entscheidet über das Endergebnis. Er bestimmt, ob die Wandbekleidung langfristig hält oder sich bereits nach wenigen Tagen oder Wochen wieder von der Wand ablöst. Ohne einen geeigneten Kleister geht es nicht. Den einen universell einsetzbaren Tapetenkleister gibt es jedoch nicht.

Doch welche Kleisterarten gibt es? Welche eignet sich für die jeweilige Tapete und worauf ist bei der Wahl des Kleisters sonst noch zu achten? In diesem Beitrag verraten wir, welcher Tapetenkleister für die unterschiedlichen Tapetenarten infrage kommt und was seine spezifischen Eigenschaften sind. Ebenso stellen wir die Bestandteile bzw. Inhaltsstoffe verschiedener Kleisterarten genauer vor.

Worauf achten?

Augen auf beim Kleisterkauf! Obwohl es vermeintlich einfach klingt (Anrühren, quellen lassen, auftragen), lauern bereits vor diesen ersten Handgriffen einige Tücken. Einen Universal-Kleber, der für jede Tapetenart verwendet werden kann, gibt es nicht. Es gilt, den passenden Kleister zu finden – und das zunächst unabhängig von Hersteller und Preis. Natürlich spielen Qualität und Kaufpreis eine Rolle, im ersten Schritt kommt es bei der Wahl des richtigen Tapetenkleisters jedoch auf drei Faktoren an:

  • Wasserdampfdurchlässigkeit der Tapete
  • Gewicht der Tapete
  • Beschaffenheit der Wand / des Untergrundes

Werden diese Punkte beim Kauf nicht berücksichtigt, kann es passieren, dass die Tapete nicht gut genug an der Wand haftet und sich rasch wieder ablöst.

Tipp: Viele Tapetenhersteller halten auf dem Einleger der Tapetenrolle Infos zum geeigneten Tapetenkleister bereit.

Bestandteile

Woraus besteht Kleister? Eine Frage, die sich sicher viele schon einmal gestellt haben. Bevor wir jedoch auf die aktuellen Inhaltsstoffe und Bestandteile von Tapetenkleister eingehen, gibt es einen kleinen Exkurs in seine Geschichte.

Tapetenkleister im Eimer aus der Nähe

Der Vorläufer des heutigen Tapetenkleisters war Knochenleim. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war dieser als Klebstoff unter anderem für Holz, Papier, Leder und Tapeten die erste Wahl. Hergestellt wurde er aus Glutinleim, ein wasserlöslicher Klebstoff, der durch Auskochen von tierischen Abfällen gewonnen wurde.

Abgelöst wurde Knochenleim durch die Erfindung des „Sichel-Tapetenkleisters SM“, ein Klebstoff auf Basis von Pflanzenstärke, sowie von Quellstärke als dessen Weiterentwicklung. Dabei handelte es sich erstmals um einen Stärkekleister in Trockenform, der mit kaltem Wasser angerührt wird, so wie es von heutigem Kleisterpulver bekannt ist.

Als das Unternehmen Henkel 1953 einen neuartigen Tapetenkleister unter dem Namen Metylan auf den Markt brachte, hatten alle bis dahin verwendeten Vorgänger ausgedient. Das weiße Kleisterpulver, das bis heute zu den meistverkauften seiner Art gehört, besteht aus reiner Methylzellulose und verbindet sich schnell mit kaltem Wasser zu einer homogenen Lösung. Eine kräftige Konsistenz, eine hohe Klebkraft, eine leichte Verarbeitung sowie eine gute Kalk- und Zementbeständigkeit machten Metylan so innovativ.

Zellulose + Stärke + Wasser = Tapetenkleister

Methylzellulose ist heute ein ganz typischer Bestandteil von Kleister, der stets aus Stärke und Zellulose besteht, durch Wasser aufquellt und so seine Klebkraft aktiviert und zähflüssig wird. Der Inhaltsstoff ist ungiftig und somit unbedenklich für Umwelt und Gesundheit. Methylcellulose ist auch ein weit verbreiteter Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 461 und findet als Gelier-, Verdickungs- und Überzugmittel oder als Emulgator und Stabilisator unter anderem in Speiseeis, Backwaren, Mayonnaise, Instantprodukten und Tiefkühlkost Verwendung. Tapetenkleister stellt somit kein ökologisches oder gesundheitliches Risiko dar.

Wie gut ist billiger Tapetenkleister?

Kleister für Tapeten angerührt

Von Hersteller zu Hersteller kann der Stärkeanteil im Tapetenkleister variieren, was sich auf den Preis auswirkt. Es gilt: Je stärkehaltiger der Kleister ist, desto günstiger ist er und desto geringer sind Klebkraft und Haftung. Wer sicher gehen will, dass die Tapete an der Wand lange gut haftet, sollte zu einem Qualitätsprodukt greifen, bei dem der Anteil an Methylzellulose gleich oder höher ist als der Anteil an Stärke. Diese Zusammensetzung gewährleistet eine hohe Klebkraft.

Kleisterarten

Kleister ist nicht gleich Kleister. Es gibt ihn in verschiedenen Arten. Außerdem ist Tapetenkleister als Pulver zum Anrühren, als Fertigkleister zum direkten Gebrauch und als flüssiges Konzentrat zu kaufen. Nicht jede Kleisterart ist in allen drei Varianten erhältlich. Generell unterschieden werden folgende Kleisterarten:

Diese Kleisterarten eignen sich für Wände aus Beton, Zement, Gips und Gipskarton. Voraussetzung für eine optimale Haftung ist immer ein perfekt vorbereiteter Untergrund, dessen Beschaffenheit ideal zum Tapezieren ist: sauber, trocken, glatt, tragfähig und gleichmäßig saugfähig.

Normalkleister

Einfacher Tapetenkleister ist im Handel mit den Bezeichnungen Standard-Kleister oder Normalkleister erhältlich. Er besteht aus Stärke sowie Zellulose und besitzt ein hohes Wasserbindungsvermögen. Damit er seine Klebkraft entfalten kann, muss das enthaltene Wasser im Kleisterbett unter der Tapete verdunsten. Das ist nur bei wasserdampfdurchlässigen (diffusionsoffenen) Tapeten möglich. Da er keine Klebkraftverstärker enthält, eignet sich Normalkleister nur für leichte bis schwere Papiertapeten. Wird er mit viel Wasser verdünnt, ist er auch zur Grundierung der Wand geeignet, um die Saugkraft der Oberfläche zu regulieren.

Spezialkleister

Spezialkleister enthält neben den Standard-Inhaltsstoffen zusätzlich einen Harzanteil, meist Kunstharz als sogenannten Dispersionsanteil. Dadurch weist er eine hohe Anfangshaftung auf und eignet sich für schwere Tapeten wie Raufaser, Vinyltapete sowie Präge- und Strukturtapete. Manche Hersteller erwähnen auf der Verpackung auch die Verwendung für Textiltapeten.

Spezialkleister
Vliestapetenkleister

Vliestapetenkleister

Vliestapetenkleister ist ein Tapetenkleister speziell für Vliestapeten und wird auch Rollkleister genannt. Er überzeugt mit einer besonders leichten Handhabung und lässt sich schnell, spritzarm und gleichmäßig mit Hilfe von Farbrolle oder Kleisterbürste auf die Wand auftragen. In Wandklebetechnik wird die trockene Tapetenbahn dann angedrückt, weshalb der Kleister für Vliestapeten über eine hervorragende Anfangshaftung verfügt. Gleichzeitig lässt sich der Sitz der Bahn noch einige Zeit korrigieren. Ebenso stellt Vliestapetenkleister sicher, dass sich die Vliestapeten auch nach Jahren noch restlos trocken von der Wand abziehen lassen.

Textiltapetenkleister

Textiltapetenkleister eignet sich für Tapeten mit textilen Fasern und/ oder Geweberückseite. Der Spezialkleister für Textiltapeten enthält ebenfalls einen Dispersionsanteil, um die mitunter sehr schweren Wandbekleidungen gut zu verkleben. Als Alternative dient Spezialkleister, wenn dieser explizit als tauglich für Textiltapeten ausgeschrieben ist.

Maschinenkleister / Tapeziergerätekleister

Maschinenkleister, auch Tapeziergerätekleister genannt, wurde speziell für die Verwendung mit Tapeziermaschine oder Tapeziergerät entwickelt. Er erinnert an Granulat statt an Pulver und wird nach dem Anrühren dünnflüssiger und sämiger als herkömmlicher Tapetenkleister. Er eignet sich für alle Tapetenarten, da er zur Verbesserung der Klebkraft mit Kunstharzen versetzt ist.

Dispersionskleber

Dispersionskleber ist ein gebrauchsfertiger Klebstoff, der häufig zur Verstärkung der Klebkraft zu Normalkleister und Spezialkleister hinzugegeben wird, wenn schwere Tapeten an die Wand gebracht werden sollen. Auch beim Tapezieren in Feuchträumen, wie in der Küche und im Bad, ist sein Zusatz zu empfehlen. Es handelt sich dabei um eine Kunstharz- oder Kunststoff-Dispersion, die einen geringen Wasseranteil aufweist und sich durch eine hohe Klebkraft auszeichnet.

Aufgrund des geringen Wasseranteils eignet sich Dispersionskleber für wasserdampfundurchlässige (diffusionsdichte) Tapeten wie Profil- und Vinyltapeten, deren Oberfläche mit Kunststoff beschichtet ist, oder für Tapeten mit Metallfolie. Auch sehr schwere Glasfasertapeten haften mit ihm zuverlässig an der Wand.

Je nach Hersteller und Verwendungszweck ist er sehr zähflüssig oder pastös und wird, wenn er nicht einem anderen Kleister zugegeben wird, mit Rolle oder Spachtel auf die Wand aufgetragen. Unverdünnt kommt Dispersionskleber in der Regel jedoch nur dann zum Einsatz, wenn der Hersteller einer Tapete es explizit empfiehlt. Da seine Klebkraft so stark ist, ist es schwer, die Wandbekleidung später wieder von der Wand zu entfernen. Ist es also nicht zwingend erforderlich, sollte Dispersionskleber nur verdünnt als Zusatz im eigentlichen Kleister verwendet werden.

Bordürenkleber

Bordürenkleber ist ein gebrauchsfertiger Spezialkleber für Tapeten-Bordüren und wird meist in einer praktischen Tube mit integrierter Auftragsbürste angeboten. Er eignet sich für alle Bordüren aus Papier, Gewebe und Vinyl und klebt sogar Vinyl auf Vinyl. Auch bei ihm handelt es sich um einen kraftvollen Dispersionskleber.

Fazit

Nur mit dem richtigen Tapetenkleister hält die Tapete zuverlässig an der Wand und das Tapezieren wird ein langfristiger Erfolg.

Der richtige Kleister

Trägermaterial, Wasserdampfdurchlässigkeit und Gewicht der Wandbekleidung sind bei der Wahl des Kleisters ausschlaggebend. Jede Kleisterart hat spezifische Eigenschaften, die auf die Eigenschaften der jeweiligen Tapetenart abgestimmt sind. Gelten für die gewählte Tapete besondere Anforderungen an den Kleister, weist der Hersteller auf dem Einleger der Tapetenrolle daraufhin.

Wer sicher gehen will, dass Klebkraft und Haftung optimal sind, wählt Tapetenkleister, bei dem der Anteil Zellulose gleich oder höher ist als der Anteil Stärke. Bei Billigprodukten ist das häufig nicht der Fall. Der hohe Stärkeanteil macht den Kleister zwar günstiger, mindert aber seine Klebkraft. Die Grundbestandteile von Tapetenkleister sind jedoch immer gleich und unbedenklich für Umwelt und Gesundheit: Methylzellulose und Stärke. Spezialkleister enthalten zusätzlich einen Anteil Kunstharz.

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Tapetenkleister im roten Eimer: Vor dem Umzug: ©K.-P- Adler/stock.adobe.com
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