Zahlreiche deutsche und internationale Tapetenhersteller achten bei der Herstellung von Tapeten auf die Umweltverträglichkeit. Ökologische Standards in der Produktion haben sich etabliert, um die Umwelt zu schonen und dem steigenden Umweltbewusstsein der Verbraucher gerecht zu werden, denn die Zeiten, in denen es nur auf Optik und Design ankommt, sind längst vorbei. Immer mehr Menschen hinterfragen Produktionsbedingungen, verwendete Materialien und Begriffe, mit denen Tapeten beschrieben werden, ebenfalls unter gesundheitlichen Gesichtspunkten. Höchste Zeit, die Standards und Gütezeichen sowie deren Bedeutung für Umwelt und Gesundheit vorzustellen.

RAL-Gütezeichen für Tapeten

Tapeten, die mit dem RAL-Gütezeichen ausgezeichnet sind, gewährleisten, dass der Hersteller bestimmte Gütebestimmungen bei der Produktion seiner Tapeten einhält und so überdurchschnittliche Produktions- sowie Produktanforderungen erfüllt. Die Regeln (Güte- und Prüfbestimmungen) sind streng und wurden vom Verband der Deutschen Tapetenindustrie e. V. in Zusammenarbeit mit dem RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V. erarbeitet. Ob die Bestimmungen eingehalten werden und eine Tapete das RAL-Gütezeichen erhalten darf, obliegt der Beurteilung von neutraler Seite, die seit Langem vom Fraunhofer Institut für Holzforschung eingenommen wird. Jeder Tapetenhersteller ist nah erfolgreicher Erstprüfung verpflichtet, die Einhaltung der Bestimmungen in Eigenüberwachung durchzuführen und zu dokumentieren.

Wer als Tapetenhersteller das Gütezeichen tragen will, muss sämtliche Bestimmungen einhalten, denn nur so sind qualitativ hochwertige, gesundheitlich und ökologisch unbedenkliche Tapeten garantiert. Die Güte- und Prüfbestimmungen gelten für die europäischen Normen EN 233 (Fertige Papier-, Vinyl- und Kunststoffwandbekleidungen), EN 234 (Wandbekleidungen für nachträgliche Behandlung), EN 259 (hochbeanspruchbare Wandbekleidungen), EN 266 (Textilwandbekleidungen) und EN 15102 (dekorative Wandbekleidungen – Rollen- und Plattenform). Die im Geltungsbereich aufgeführten EN-Normen beinhalten Anforderungen an:

  • - Mindestwasserbeständigkeit
  • - Waschbarkeit
  • - Farbbeständigkeit gegen Licht
  • - Stoßwiderstand
  • - Haftung der Garne
  • - Kennzeichnung durch Symbole
  • - Brandverhalten

Diese qualitativen und technischen Anforderungen sind von Tapeten mit dem RAL-Gütezeichen einzuhalten. Gütegesicherte Tapeten erfüllen unter anderem die folgenden Bedingungen, welche gesundheitliche und ökologische Aspekte berücksichtigen:

  • - Verzicht auf Einsatz von schwermetallhaltigen, ökotoxikologischen Pigmenten auf Basis von Arsen, Blei, Cadmium, Chrom (VI), Quecksilber und Selen
  • - Verzicht auf Einsatz von Blei-, cadmium- und organozinnhaltige Stabilisatoren bei der Herstellung von PVC-Tapeten
  • - Verzicht auf leichtflüchtige Weichmacher
  • - Keine Nachweisbarkeit von Vinylchlorid-Monomeren
  • - Verzicht auf Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) bei der Aufschäumung von PVC-Tapeten
  • - die Anteile an flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs), Formaldehyd und kanzerogenen Substanzen liegen ein Vielfaches unter den gesetzlichen Bestimmungen

Wer also sicher sein will, dass eine Wandbekleidung gesundheitlich unbedenklich und nicht umweltgefährdend ist, sollte eine Tapete mit RAL-Gütezeichen wählen.

Substanzen, die Umwelt & Gesundheit beeinflussen können

Begriffe wie Weichmacher, Formaldehyd und leichtflüchtige Stoffe fallen im Zusammenhang mit Tapeten, Umwelt und Gesundheit immer wieder, so auch innerhalb der Bestimmungen des RAL-Gütezeichens. Auch in der einen oder anderen Produktbeschreibung fallen diese Begrifflichkeiten, auf die die zahlreichen Tapetenhersteller in ihrer Produktion achten, um weder Umwelt noch Gesundheit zu gefährden und das sogenannte Innenraumklima zu verbessern.

Flüchtige organische Substanzen

Das Innenraumklima soll gesundheitlich unbedenklich sein und einen so geringen Anteil an flüchtigen organischen Substanzen (Volatile Organic Compound = VOC) wie möglich aufweisen. Zu diesen leichtflüchtigen Stoffen, die Bestandteile der zur Produktion von Tapeten notwendigen organischen Materialien sind, zählen Verbindungen der Stoffgruppen Aliphaten, Aromaten, Ester, Ketone, Alkohole, Glykole, chlorierte Verbindungen, Siloxane und Aldehyde. Sie reichern sich in der Luft an. Tapetenhersteller mit dem RAL-Gütezeichen verpflichten sich zur Einhaltung deutlich niedrigerer Grenzwerte als gesetzlich vorgeschrieben.

Formaldehyd

Formaldehyd ist ein überall in der Natur vorkommendes, aber auch synthetisch hergestelltes, farbloses und stark riechendes Gas. Es reagiert leicht mit anderen Stoffen und zersetzt sich unter Einwirkung ultravioletter Strahlung schnell. Da es in Holzprodukten natürlicherweise vorkommt, geben auch Tapeten in geringe Mengen Formaldehyd ab. Hersteller, die das RAL-Gütezeichen tragen, halten sich an die strengen Grenzwerte, sodass der gewöhnliche Formaldehydgehalt eines Raumes nicht erhöht wird.

PVC & Weichmacher

Beschichtete Tapeten wie Vinyltapeten sind in den meisten Fällen mit einer vollflächigen PVC-Schicht überzogen. Für die Herstellung von Polyvinylchlorid (PVC) werden Erdöl und Steinsalz verwendet. Mithilfe von Weichmachern wird es flexibel und dehnbar gemacht, damit es besser verarbeitet werden kann. Die bei der Herstellung von Tapeten mit RAL-Gütezeichen eingesetzten Weichmacher DINP und DINCH stellen jedoch weder eine Gefahr für die Gesundheit noch für die Umwelt dar. Darüber hinaus hat die PVC-Industrie in den vergangenen Jahren erfolgreich negative Umweltauswirkungen bei der Herstellung, Verwendung und Entsorgung von PVC minimiert.

Tapeten sind keine Gefahr für Umwelt & Gesundheit

Deutsche und internationale Hersteller setzen viel daran, Tapeten herzustellen, die gesundheitlich und ökologisch unbedenklich sind. Sie rüsten Maschinen immer wieder um, setzen auf nachhaltigere Rohstoffe, schulen Mitarbeiter fortlaufend und achten penibelst auf ein eingehaltenes Qualitätsmanagement. Obwohl die geltenden EU-Richtlinien bereits sehr streng sind, liegen viele Unternehmen freiwillig deutlich unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten und lassen sich auf Herz und Nieren von unabhängigen Instituten prüfen, um mit Gütezeichen oder ähnlichen Standards ausgezeichnet werden zu dürfen. Dadurch können die eigenen vier Wände nicht nur mit optisch ansprechenden, sondern auch mit völlig unbedenklichen Tapeten tapeziert werden.