Die Raumwirkung mit Tapete gekonnt beeinflussen

Die Raumwirkung mit Tapete gekonnt beeinflussen

Schmal oder breit, hoch oder niedrig, hell oder dunkel – kein Raum ist wie der andere und nur selten ist ein Zimmer optimal geschnitten. Mit einer gut überlegten Wandgestaltung lässt sich die Raumwirkung jedoch beeinflussen. Die gestalterischen Möglichkeiten, die Tapeten bieten, können gezielt genutzt werden, um die Wirkung eines Raumes so zu verändern, dass er den individuellen Wünschen entspricht.

In diesem Beitrag verraten wir, für welche Raumprobleme Tapeten eine Lösung bieten und was beim Kauf beachtet werden sollte, wenn die Wandkleider die Raumwirkung verbessern sollen. Wir stellen geeignete Farben und Muster vor, um Räume heller, kleiner, größer, höher oder niedriger wirken zu lassen und haben zahlreiche Tipps und Ideen für die Veränderung der Raumwirkung zusammengetragen.

1. Wie wir Räume wahrnehmen

Der visuelle Ablauf bei der Raumwahrnehmung und dadurch entstehende Gefühle liegen in der Natur des Menschen, im Urinstinkt und im Bedürfnis nach Sicherheit begründet. Schon immer hatte der Mensch für die Wahrnehmung seiner Umgebung einen festen visuellen Ablauf. Der Blick fällt zuerst auf den Boden, um seine Stabilität zu prüfen. Danach erfasst das Auge die Umgebung und prüft, ob sie sicher ist. Dafür wandert der Blick von links nachts rechts, in die Nähe und in die Ferne. Sind ausreichend Informationen gesammelt, rückt der Himmel ins Blickfeld. Der Gesamteindruck setzt sich anschließend aus den einzelnen Wahrnehmungen zusammen und Gefühle wie Sicherheit, Schutz und Geborgenheit oder aber Risiko und Enge entstehen.

Blickrichtung Raumwirkung
Tapeten Raumwirkung Wahrnehmung

Dieser natürliche visuelle Ablauf ist auch für die heimischen vier Wände gültig: Boden – Wand – Decke. Der Boden unter unseren Füßen ist dunkel, der Himmel über unseren Köpfen hell. Unbewusst gehen wir deshalb davon aus, dass die Raumfarbe von unten nach oben heller wird. Das trägt zur Harmonie sowie zum Gefühl von Sicherheit und Freiheit bei. Deshalb ist der Fußboden in der Regel in dunklen Farben gehalten, während die Zimmerdecke hell oder gar weiß ist. Diese Grundregel hat sich bei der Raumgestaltung etabliert. Gebrochen wird mit dieser Regel nur, wenn ein Raum in seiner Wirkung gezielt verändert und unsere instinktiven Blickbewegungen ausgetrickst werden sollen.

2. Mit Farben & Mustern die Raumwirkung beeinflussen

Soll zum Beispiel der Blick als Erstes in die Ferne statt auf den Boden fallen, um von einer geringen Raumgröße und dem Gefühl von Enge abzulenken, können Farben und Muster an den Wänden helfen, das gewohnte Sehmuster zu durchbrechen. Die Veränderung der eigentlich eingespielten Blick-Reihenfolge hat zum Ziel, den Raum harmonischer wirken zu lassen. Gefühle wie Unsicherheit und Enge in dunklen und kleinen Räumen, aber auch Verlorenheit und zu wenig Schutz in großen Räumen lassen sich so ins Positive umkehren.

Mit Wandfarbe und Tapeten lassen sich im Handumdrehen optische Täuschungen erzeugen, die ungünstige Grundrisse, Raumhöhe und Lichtverhältnisse positiv beeinflussen und die Raumwirkung harmonischer machen. Kurze Räume optisch strecken, dunkle Zimmer aufhellen oder hohe Räume kleiner wirken lassen – das und vieles mehr ist möglich mit Tapeten.

Farben und ihre psychologische Wirkung sind seit jeher fest in die Raumgestaltung integriert. Von Streifen ist allgemein bekannt, dass sie einen Raum in seiner Wirkung verändern können. Auch die Größe eines Musters nimmt Einfluss auf die Raumwirkung und kann ihn kleiner oder größer wirken lassen. Welche Muster und Farben sich eignen, hängt von dem eigentlichen Raumproblem ab, für das mit passenden Tapeten eine Lösung gefunden werden soll.

3. Tapeten für dunkle Räume

Ein dunkler Raum ohne Fenster oder anderen direkten Tageslichteinfall, wirkt wenig einladend und im schlechtesten Fall wie eine dunkle Höhle. Optisch aufhellen lässt sich ein solches Zimmer nicht nur durch direkte Beleuchtung, sondern auch durch die Wahl geeigneter Tapeten. Warme, helle Farben wie sonnenverwöhntes Gelb, cremiges Beige oder zartes Orange sind ideal, um Licht ins Dunkle zu bringen. Auch dezente Pastellfarben eignen sich zum Aufhellen.

Mit Tapete einen Raum aufhellen
Helle Tapete für dunkle Räume

Statt Mustertapeten empfehlen wir für dunkle Räume das Anbringen von Effekttapeten, in denen Metallfolie, Glitzerfäden, Glasperlen oder Flitterpartikel eingearbeitet sind. Sie reflektieren auftreffendes Licht und spielen mit dem Auge des Betrachters, das die ursprüngliche Dunkelheit durch die eindrucksvollen Lichtreflexe der Glitzertapeten gar nicht mehr so stark wahrnimmt. Das Ergebnis: Der dunkle Raum wirkt heller, freundlicher und einladender.

4. Tapeten für große Räume

In großen Räumen schwingt häufig das Gefühl mit, sich verloren zu fühlen. Ein dunkler Fußboden wirkt stabil und lässt automatisch das Gefühl von Sicherheit entstehen. Werden die Wände in dunklen, warmen Farben gestaltet und große Muster tapeziert, lässt sich ein großer Raum optisch verkleinern. Schräg oder diagonal verlaufende Prints sind eine hervorragende Wahl. Geborgenheit und Gemütlichkeit machen sich breit. Auch einige Bahnen Mustertapete und einfarbige, musterlose Bahnen im Wechsel können einen großen Raum kleiner und gemütlicher wirken lassen.

Das Tapezieren einer dunklen Tapete an einer einzelnen Wand bewirkt in Kombination mit einer helleren Unitapete an den anderen Wänden wahre Wunder. Das Muster kann nicht groß genug sein; am besten eignet sich eine auffällige Fototapete oder Motivtapete. Eine dunkle Wand in der Mitte verkürzt den Raum und zieht den Blick als Akzentwand auf sich.

Wirkt ein großer Raum aufgrund langer Wände wie ein Schlauch, helfen Tapeten mit geometrischen Mustern oder solche mit ineinander verschmelzenden Ornamenten ihn zu verkürzen. Da Auge und Gehirn mit der Wahrnehmung der Muster beschäftigt sind, lenken die Wandkleider gekonnt von der eigentlichen Länge des Raumes ab.

5. Tapeten für kleine Räume

In kleinen Räumen herrscht häufig das Gefühl von Enge. Gemütlichkeit und Weite lassen sich mit hellen, kühlen Farben und kleinen, gleichmäßigen Mustern erzeugen. In Kombination kann das den Raum optisch vergrößern.

Eine einzelne Akzentwand ohne Fenster und Türen kann auch durchgehend mit einer Tapete mit großem Muster oder Fotomotiv tapeziert werden, um dem Raum mehr Perspektive und Tiefenwirkung zu verleihen. Solange die anderen Wände freundlich erscheinen und eine helle Farbe des Musters aufgreifen, wirkt der kleine Raum dann auch nicht erdrückend.

6. Tapeten für schmale Räume

Schmale Räume wirken beengend. Vor allem der Flur strahlt häufig diese unangenehme Raumwirkung aus. Um einen solchen Raum weiter und breiter wirken zu lassen, empfehlen sich helle, frische Farben für die langen Seitenwände und Kontrastfarben für die kurzen Stirnseiten. Das öffnet einen schmalen Raum und lässt ihn breiter wirken. Waagerecht verlaufende Querstreifen machen breiter bzw. länger.

7. Tapeten für niedrige Räume

Bei manchen Räumen droht die Decke buchstäblich auch den Kopf zu fallen. Ist die Raumhöhe sehr niedrig, sollten Fußboden und Wände dunkler als die Decke sein, damit sich der Raum nach oben hin öffnet. Im besten Fall bleibt die Decke weiß. Eine senkrecht gestreifte Tapete (Längsstreifen) oder eine Crush Tapete mit von unten nach oben verlaufenden Falten streckt einen niedrigen Raum zusätzlich. Eine Unitapete passt hervorragend, solange sie dunkler als die Decke ist. Eine nach oben gerichtete Beleuchtung lässt den Raum noch höher wirken.

8. Tapeten für hohe Räume

Hohe Decken sind für viele Menschen ein Traum, doch Deckenhöhen über 3 Meter können durchaus zu großzügig wirken und der Gemütlichkeit entgegenwirken. Wird die Decke in einem dunkleren Farbton als die Wände gehalten, wirkt sie wie ein schützendes Dach und lässt den Raum niedriger wirken.

Tipp: Querstreifen oder andere Muster, die horizontal verlaufen, verringern die Raumhöhe optisch. Viele Tapetenmuster sind jedoch mit senkrechtem Verlauf gedruckt; das waagerechte Kleben kann dann eine Option sein. Tapete quer tapezieren? Ja!

Tapete mit Längsstreifen
Tapete mit Querstreifen

Tapeten, die waagerecht von einer Borte unterbrochen werden, oder ein Bortenabschluss zur Decke sind ebenfalls eine Möglichkeit, einen sehr hohen Raum niedriger wirken zu lassen. Wer nach oben hin nicht mit einer Bordüre abschließen möchte, tapeziert die Tapete nicht bis direkt unter die Decke, sondern lässt einen breiten Streifen zum Deckenansatz frei (Bordüreneffekt). Eine nach unten gerichtete Beleuchtung verstärkt die verkürzende Raumwirkung.

9. Besonderheiten im Raum

Außenliegenden Ecken und Kanten, die durch einen Vorsatz oder Vorsprung entstehen, aber auch andere charakteristische Raumgegebenheiten wie Erker oder Dachgauben lassen sich durch Farbe und Tapetenmuster optisch in ihrer Wirkung verändern. Helle Farben vergrößern, eine zusätzliche Wandbeleuchtung an der richtigen Stelle setzt die Besonderheit im Raum perfekt in Szene.

Auch das Tapezieren von Dachschrägen bietet verschiedene Möglichkeiten, einen Raum in seiner Wirkung zu verändern. Große, breite und waagerecht verlaufende Muster, die an der Dachschräge angebracht werden, verkürzen diese und lassen den Raum niedriger und kleiner wirken. Wer den Raum höher und größer wirken lassen möchte, sollte Tapeten mit kleinen, schmalen und senkrecht verlaufenden Mustern tapezieren.

Sollen einzelne Raumabschnitte in einem großen Raum voneinander abgrenzt werden, weil sie unterschiedlich genutzt werden, empfiehlt sich die Arbeit mit kräftigen Farben als Begrenzung. Auch eine einzelne Tapetenbahn, die als visueller Raumtrenner an der Wand dient, zeigt die Grenzen auf. Offene Küche, Essbereich und Wohnbereich oder Arbeitsplatz und Schlafbereich lassen sich so optisch voneinander trennen.

Raum optisch unterteilen mit Tapete
Tapete als Raumteiler

10. Tapeten für Akzentwand

Manchmal soll ein bestimmter Bereich im Raum besonders betont werden und als absoluter Hingucker wahrgenommen werden. Dann wird nur eine Wand auffällig tapeziert, während sich die anderen optisch zurückhalten. Eine solche Akzentwand, auch Dekorwand genannt, zieht alle Blicke auf sich und lenkt von anderen unerwünschten Blickfängern und kleinen Schönheitsfehlern ab.

Die Tapete für die Akzentwand kann ein besonders auffälliges Muster oder ein großflächiges Fotomotiv aufweisen. Die Farbe spielt keine große Rolle, wichtig ist nur, dass die anderen Wände dezent bleiben – weiß oder in einem zarten Ton, der auch in der Highlight-Tapete zu finden ist. Beliebt sind Skylines, große Blumen & Pflanzen oder Urlaubsmotive.

Folgende Kollektionen aus unserem Shop halten Digitaldruck-Tapeten als Highlights für eine Akzentwand bereit:

Häufig soll eine solche Akzentwand die Blicke auch direkt auf ein bestimmtes Möbelstück lenken. Barock-Tapeten mit opulenten Ornamenten bieten sich beispielsweise an, um einen Sessel oder ein Bett in Szene zu setzen. Der Rest des Raumes sollte dann unauffällig tapeziert oder gestrichen sein, um nicht vom eigentlichen Highlight abzulenken oder eine optische Reizüberflutung entstehen zu lassen.

11. Verschiedene Tapeten in einem Raum

Häufig wird von verschiedenen Tapeten in einem Raum abgeraten, da ein Mix schnell unruhig und überladen wirkt. Wird eine Mustertapete mit einer farblich passenden Unitapete kombiniert, ist das natürlich kein Problem. Jede Kollektion enthält ein stimmiges Set aus einfarbigen und gemusterten Tapeten, die sich perfekt miteinander kombinieren lassen.

Bei großen Räumen, die durch einzelne Tapetenbahnen eine optische Unterteilung erhalten sollen, muss nicht zwingend das gleiche Dessin verarbeitet werden. Thematisch zusammenpassen sollten die verschiedenen Tapeten im Raum dennoch. Holz-, Beton- und Steinoptiken oder Reliefs und Ornamente in unterschiedlichen Farbabstufungen, die aber ansonsten gleich aussehen, bieten sich hier an. In vielen Kollektionen ist ein Muster in mehreren Farben erhältlich – die perfekte Wahl.

Mustermix mit Tapeten
Verschiedene Tapetenmuster kombiniert

Eine größere Herausforderung ist es, großflächig verschiedene Muster in einem Raum so miteinander zu kombinieren, dass sie ein harmonisches Gesamtbild ergeben. Zum Mixen von Mustertapeten gehört eine gehörige Portion Mut und Kreativität. Auch ein geschicktes Auge beim Zuschneiden und Zusammensetzen der einzelnen Bahnen ist unerlässlich, damit hinterher alles schön zusammenpasst. Abstrakte Formen und Geometrie-Muster eignen sich wunderbar für einen Mustermix.

 

Bildquellennachweis:
Auge Deatilaufnahme: open eye: ©Urs Frischknecht/stock.adobe.com
Heller Raum mit Schräge und Ecken: Modern and luxury living Room, penthouse: ©Gunnar Assmy/stock.adobe.com